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Montag, den 18. Juli 2011, Pressemitteilung, Gruene-LV, Bildung und Kultur

Grüne erwarten chaotische Zustände an Hochschulen in Mecklenburg-Vorpommern

"Die Landesregierung bleibt seit Jahren untätig" sagt der hochschulpolitische Sprecher der Grünen, Johannes Saalfeld.

Johannes Saalfeld, hochschulpolitischer Sprecher der Grünen

Der Ansturm auf die Hochschulplätze in Mecklenburg-Vorpommern könnte größer ausfallen als bisher erwartet. Das zeigt eine kürzlich veröffentlichte Studie des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE). Gründe hierfür sind zum einen das steigende Interesse junger Menschen an einem Studienplatz, zum anderen sind die doppelten Abiturjahrgänge in den Bundesländern Bayern und Niedersachsen nicht ausreichend berücksichtigt worden. Daher sind bereits in diesem Wintersemester mehr Studienanfänger zu erwarten als jemals zuvor. Nach Angaben des CHE würden bis 2015 mehr als 200.000 Studienplätze im gesamten Bundesgebiet fehlen. Die Grünen fordern daher die Landesregierung auf, entsprechende Maßnahmen für den erwarteten Ansturm im Herbst zu ergreifen.

„Die Hochschulen in Mecklenburg-Vorpommern fahren bereits heute an der Auslastungsgrenze“, sagt Johannes Saalfeld, hochschulpolitischer Sprecher der Grünen. Grund dafür sei der von SPD, LINKE und CDU durchgesetzte Personalabbau um 20 Prozent. In Relation zu diesen Maßnahmen stieg die Zahl der Studierenden im Land um weitere 15 Prozent an, so Saalfeld. Die aktuelle CHE-Studie weist zudem erstmals auf ein weiteres Problem im Bereich der Hochschulpolitik hin: Für 3.685 Studierende in Mecklenburg-Vorpommern erhalten die Hochschulen keine finanzielle Unterstützung durch das Land oder durch den sogenannten Hochschulpakt. Dieser fördert durch Bundesmittel die Bereitstellung von zusätzlichen Hochschulplätzen. Mecklenburg-Vorpommern hatte sich in der Vergangenheit im Rahmen des Hochschulpaktes gegenüber dem Bund dazu verpflichtet, die Studienanfängerzahl auf einem aus 2005 stammenden Niveau zu halten. Mittlerweile seien jedoch 3.685 Studierende mehr immatrikuliert. Das sind fast anderthalbmal so viele Studierende wie an der Fachhochschule Stralsund oder Neubrandenburg. Für diese Zahl an Studierenden wird seitens des Bundes und Landes kein Geld für die Hochschulen zur Verfügung gestellt. „Die Hochschulen bleiben also momentan auf den Kosten einer zusätzlichen Fachhochschule sitzen“, erklärt Saalfeld.

In den kommenden vier Jahren stehen mehrere doppelte Abiturjahrgänge aus zehn Bundesländern an. In Verbindung mit dem wachsenden Interesse an einem Studium sind chaotische Zustände zu erwarten. „Wenn die Landesregierung jetzt keine Maßnahmen ergreift, befürchten wir bereits ab dem Wintersemester chaotische Zustände an den Hochschulen“, sagt der hochschulpolitische Sprecher der Grünen. Im Rahmen der Erfüllung des Hochschulpaktes haben die Hochschulen fast alle Zulassungseinschränkungen abgeschafft. Nun drohe der Studierendenansturm die Landeshochschulen ungebremst zu erfassen. Die Studierwilligen aber einfach „auszusperren“ wäre mit Blick auf den Fachkräftemangel im Land und der Abwanderung vieler junger Menschen der falsche Weg, so die Grünen. „Leider bleibt die Landesregierung seit Jahren untätig. Das ist sowohl eine vertane demografische Chance, als auch unverantwortlich gegenüber den Studierenden im Land“, meint Johannes Saalfeld mit Blick auf die überfüllten Hörsäle und überlasteten Dozenten.

Hinweis: Die aktuelle Studie des Centrums für Hochschulentwicklung und der Länderreport für Mecklenburg-Vorpommern können unter www.che-consulting.de heruntergeladen werden. Der im Länderreport positiv hervorgehobene Personalzuwachs in Mecklenburg-Vorpommern basiert hierbei jedoch auf einem Interpretationsfehler. In M-V gibt es keinen tatsächlichen Stellenzuwachs. Diese seien in Wirklichkeit nur halbiert worden. Derzeit setzen die Hochschulen teilweise zwei wissenschaftliche Mitarbeiter für eine Stelle ein. Die Anzahl der Mitarbeiter steigt zwar nummerisch, die Leistung bleibt jedoch die gleiche (Halbtagsstelle).

Doppelte Abiturjahrgänge in den Bundesländern:

2011: Bayern, Niedersachsen

2012: Baden-Württemberg, Berlin, Bremen, Brandenburg

2013: Nordrhein-Westfalen, Hessen (1. Etappe)

2014: Hessen (2. Etappe)

2015: Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz

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