Pate werden
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Freitag, den 13. Januar 2012, Pressemitteilung

Sie lernen einfach nicht dazu

Zu den Aussagen des Präsidenten des Landesbauernverbandes M-V bezüglich des Förderstopps für Hühnerställe in M-V erklärt Claudia Schulz, agrarpolitische Expertin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN M-V:

(CC BY 2.0) justusbluemer

„Der Bauernverband hat einfach nichts dazugelernt! Jetzt geht es sogar weit, dass unnötig Angst geschürt wird, in Deutschland würden die Leute nicht mehr satt, wenn neue Hähnchenmastanla-gen nicht mehr gefördert werden. Momentan landen in Deutschland 20 Millionen Tonnen, das heißt rund 50 Prozent der Lebensmittel ungenutzt im Müll. In anderen Ländern werden die regio-nalen Märkte unter Druck gesetzt durch subventionierte Billigimporte aus Deutschland. Da klingen solche Aussagen in höchstem Maße unmoralisch. Weiter sieht Präsident Rainer Tietböhl unseren Markt bedroht: 60 Prozent der heute verkauften Eier kommen aus Polen, weil bei uns die Käfighaltung abgeschafft wurde - gäbe es mehr Transparenz für den Verbraucher und eine Kennzeichnung der Haltungsform auch bei verarbeiteten Ei-Produkten, sähe das meiner Meinung nach schon wieder ganz anders aus. Denn dort landen nämlich die Käfigeier. Ganz zu schweigen davon, dass die Leute mit Aussagen wie: ,Größere Anlagen und Tierbestände schaffen Arbeitsplätze.‘ geködert werden sollen, was so einfach keinen Bestand hat - gerade in hoch automatisierten und auf Quantität ausgelegten Betrieben werden sehr wenige Kräfte gebraucht.  Eher im Gegenteil - werden doch die Arbeitsplätze der Region viel mehr in Gefahr gebracht durch Großanlagen. Und oberdrein steigt die Gefahr für die Gesundheit der Verbraucher immer weiter an. Wenn wir in M-V über die Tierhaltung reden, ist nicht die immer wieder angeführte durchschnittliche Tieranzahl pro Hektar entscheidend. Sondern man muss ganz klar von zu vielen Tieren auf engstem Raum reden, wodurch sich die Ansteckungsgefahr der Tiere untereinander und die Keimbelastung des später verkauften Fleisches potenzieren. Gerade das macht
beispielsweise auch den Vergleich unseres ,niedrigen‘ Antibiotika-Gebrauchs mit dem niederlän-dischen zum Hohn. Natürlich ist die Menge Antibiotika pro Kilo Tier-Gewicht dort höher als bei
uns - gibt es in den Niederlanden doch auch sehr viele von den Großanlagen. Und geht es bei uns so weiter, sind wir irgendwann auch auf diesem Stand. Das Schlimme ist ja, wir wissen alle, dass es auch anders geht. Bauernhöfe mit alternativen Haltungsformen haben gezeigt, dass man Tiere artgerecht und angemessen halten kann und die Wirtschaftlichkeit trotzdem nicht darunter leiden muss.“

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