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Freitag, den 23. März 2012, Pressemitteilung, Agrar und Verbraucher

Zehn Prozent Ökolandbau sind zu wenig!

Kluft zwischen Angebot und Nachfrage bei Bioprodukten steigt

Zur Ankündigung von Landwirtschaftsminister Backhaus, bis zum Jahr 2013 zehn Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Mecklenburg-Vorpommern ökologisch bewirtschaften zu wollen, erklärt Claudia Schulz, agrarpolitische Sprecherin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Mecklenburg-Vorpommern:

"Wir Bündnisgrüne sagen: Das ist zu wenig – MV braucht 20 Prozent bis 2020! Die Entwicklung des Ökolandbaus in Mecklenburg-Vorpommern ist in den letzten Jahren weitgehend stagniert. Damit riskiert das Land, dass die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage bei Bioprodukten weiter steigt und der Bedarf nicht aus heimischer Produktion gedeckt werden kann", kritisiert Schulz. Schon 2003 habe der Anteil der Öko- Flächen an der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche in Mecklenburg-Vorpommern bei 8,1 Prozent gelegen. Ende 2010 waren es im Land nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) gerade einmal 8,9 Prozent. Der Umsatz bei Bio-Produkten sei hingegen allein 2011 im Vorjahresvergleich um neun Prozent gestiegen.

Der Ökolandbau sei eine ressourcenschonende, umwelt- und tiergerechte Form der Landwirtschaft. Er müsse daher als Leitbild und Maßstab für eine nachhaltige Landwirtschaft besonders gefördert werden: "Für die nächste EU-Strukturfonds-Periode fordern wir eine Umstellungsprämie von 250 Euro und eine Beibehaltungsprämie von 200 Euro pro Hektar", sagt Schulz. "Das würde für Landwirtschaftsbetriebe echte Anreize setzen, die vorübergehende Minderung von Verkaufserlösen bei insgesamt höheren Kosten während der Umstellungsphase auf ökologische Bewirtschaftung in Kauf zu nehmen."

"MV braucht außerdem endlich ein Veredelungs-, Marketing- und Vertriebskonzept
für Bio-Produkte. Gefördert werden muss die Wertschöpfung hier vor Ort." Gerade diese Notwendigkeit werde aber seitens Minister Backhaus ignoriert. So seien im aktuellen Haushaltsentwurf der Landesregierung z.B. viel zu geringe Vermarktungsbeihilfen für Öko-Produkte vorgesehen.

Nach Angaben des BUND MV stellten im letzten Jahr 30 Betriebe mit insgesamt 1600 ha Nutzfläche auf Ökolandbau um. Das entspricht einem Zuwachs von nur 3,7 Prozent bei den Betrieben und 1,3 Prozent bei den umgestellten Flächen. Bundesweit lagen die Zuwachsraten mit 4,5 bzw. 2,3 Prozent deutlich höher.

Betrachtet man das Verhältnis von ökologisch bewirtschafteten Flächen zur landwirtschaftlichen Gesamt-Nutzfläche, belegt der einstige Spitzenreiter Mecklenburg-Vorpommern heute mit 8,9 Prozent nur noch Platz 4 nach Brandenburg (10,8 Prozent), dem Saarland und Hessen.

Der Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz, Till Backhaus, hatte das Ziel, zehn Prozent der Landwirtschaftsfläche in Mecklenburg-Vorpommern ökologisch bewirtschaften zu wollen, anlässlich der Informationsveranstaltung "Ökolandbau in Mecklenburg-Vorpommern – Wie kommen Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht" benannt. Die gemeinsame Fachtagung von Landwirtschaftsministerium und Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei findet am 26. März in Stahlbrode statt.

Dateien:
fileadmin/user_upload/aktuelles/120326_PI_GrueneMV_Oekolandbau.pdf159 K
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