02.07.2003
Gründung und Geschichte bis 1994
Am 20. Juni 1993 beschlossen 60 Delegierte der Landesverbände Mecklenburg-Vorpommern von Bündnis 90 und den Grünen die Fusion zu Bündnis 90 / Die Grünen.
Die Vorgeschichte der Vereinigung beginnt auf Landesebene im April 1992. Bündnis 90, am 7. Dezember 1991 aus Demokratie Jetzt, Initiative Frieden und Menschenrechte sowie Teilen des Neuen Forum entstanden, Die Grünen und das Neue Forum bilden einen Koordinierungskreis, um ihre Landespolitik besser aufeinander abzustimmen.
Anfang Dezember tritt dann die Gemeinsame Verhandlungskommission von Bündnis 90 und Grünen zusammen. Sie soll - adäquat zur Bundesebene - den Zusammenschluß der Landesverbände vorbereiten. Der Kommission gehören 18 Mitglieder an, 9 von jeder Seite: für Bündnis 90 Joachim Breyer (Güstrow), Ulf Dembski, Monika Hädelt, Karl-Hermann Kluge, Klaus-Peter Last (alle Greifswald), Heiko Lietz (Güstrow), Charlotte Ortmann, Steffen Prignitz (beide Rostock), Dieter Vibrans (Müritz), für Die Grünen die Mitglieder des Landesvorstandes (Peter Braun, Andreas Katz, Ricardo Korf, Burkhard Senst, Norbert Sievert) sowie Matthias Bitterlich (Greifswald), Gerd Klötzer (Rügen), Viola Kühn (Neubrandenburg), Jörg Sauskat (Rostock).
Die große Kommission gliedert sich in die Unterkommissionen Grundkonsens sowie Satzung und Struktur. Bis Anfang Juni 1993 liegen Entwürfe für die Landespolitischen Grundsätze und für Satzung und Ordnungen vor.
Nachdem die Landesverbände am 19. Juni 1993 letztmalig getrennt getagt haben, werden in einer Nachtsitzung der Verhandlungskommission die letzten Probleme geklärt.
Am Folgetag stimmen 45 von 60 Delegierten für die neue Satzung und damit für die Vereinigung. In den Landesvorstand werden gewählt: als Sprecher Heiko Lietz (Güstrow), als Sprecherin Heike Völcker, als Schatzmeister Klaus-Peter Last (beide Greifswald) sowie Gabriele Schild (Schwaan), Karl-Hermann Kluge (Greifswald), Andreas Katz (Schwerin) und Norbert Benz (Wismar).
Ab Herbst 1993 arbeitet der Landesverband an der Erarbeitung eines Programms. Auf einer (zweigeteilten) Delegiertenkonferenz im Januar (Neubrandenburg) und März (Schwerin) 1994 wird das Programm verabschiedet. In Schwerin werden zudem die Landeslisten zur Landtags- und Bundestagswahl aufgestellt. Die Landtagsliste ist eine offene Liste, um Mitgliedern des Neuen Forum, das auf ein eigenes Antreten verzichtet hat, die Möglichkeit der Kandidatur zu geben. Spitzenkandidaten zur Landtagswahl sind Gisela Jacobs (Neues Forum, Rostock) und Heiko Lietz, die Bundestagsliste wird von MdB Klaus-Dieter Feige angeführt.
Bei der Kommunalwahl 1994, nunmehr in den neugeschaffenen Kreisen und mit 5-%-Hürde, gelingt der Einzug in die Stadtvertretungen/Bürgerschaften von Rostock (innerhalb der Wählergruppe Bündnis 90 10,7%, sechs Abg.), Schwerin (7,4%, vier Abg.), Greifswald (7,1%, drei Abg.), Stralsund (5,8%, drei Abg.), Neubrandenburg (5,4%, drei Abg.) sowie die Kreistage von Ludwigslust (7,0%, vier Abg.), Müritz (9,0%, vier Abg.), Bad Doberan (innerhalb der Wählergruppe Bündnis Grünes Forum 6,0%, drei Abg.) und Güstrow (7,9%). In den anderen Kreisen scheitern die Listen: Wismar (3,5%), Demmin (2,7%), Mecklenburg-Strelitz (4,1%), Nordvorpommern (4,3%), Nordwestmecklenburg (3,9%), Ostvorpommern (3,0%), Uecker-Randow (4,1%) und besonders ärgerlich Parchim (4,8%). Im Landesdurchschnitt erreichen Bündnis 90 / Die Grünen 4,2% (ohne Bündnis 90 und Bündnis Grünes Forum), rechnet man die beiden Wählergruppen hinzu, ergeben sich 5,8%.
Bei der gleichzeitig stattfindenden Europawahl gewinnen Bündnis 90/Die Grünen 4,8% in MV.
Bei der Landtagswahl im Oktober 1994 scheitert der Landesverband mit 3,7 % an der 5-%-Hürde. Erststimmenhochburgen sind die Wahlkreise Rostock III (Harald Terpe) mit 8,2% und Güstrow II (Heiko Lietz) mit 8,0%. Über 5% der Zweitstimmen werden in den Wahlkreisen Rostock I, III und IV, Schwerin I und Güstrow II bzw. in den kreisfreien Städten Rostock und Schwerin erreicht. Die Bundestagsliste erhält 3,6%, so daß Klaus-Dieter Feige sein Abgeordnetenmandat verliert.