Systemwechsel in der Familienförderung nötig
Das Bildungspaket der Bundesregierung sehen die Spitzenkandidatin von Bündnis90/Die Grünen, Silke Gajek, und der Geschäftsführers des Kinderschutzbundes in Mecklenburg-Vorpommern, Carsten Spies, nur als ersten Schritt, um den Auswirkungen der dramatischen Kinderarmut im Land zu begegnen. Allerdings sei die Umsetzung bislang viel zu bürokratisch angelegt. Daher müssten jetzt einfach umzusetzende kommunale Konzepte gefunden werden, die vor allem eine weitere Stigmatisierung der betroffenen Kinder vermeiden. Angesichts der Dimensionen von Kinderarmut reicht es nicht mehr aus, an einzelnen Schräubchen im bisherigen System zu drehen. Langfristig verfolgen die Bündnisgrünen und der Kinderschutzbund das Modell einer einheitlichen Kindergrundsicherung. „Dieses Modell verfolgt die Abkehr vom System vieler intransparenter monetärer Einzelmaßnahmen hin zu einer bedarfsgerechten Kindergrundsicherung“, so Gajek. „Die Einführung einer Kindergrundsicherung in Deutschland würde einen großen Systemwechsel in der Familienförderung bedeuten.“ Dies kann nach Auffassung von Silke Gajek und Carsten Spies aber nur durch ein breites Bündnis aller gesellschaftlichen und politischen Kräfte erreicht werden.
Dringende Fragen ergeben sich für beide Gesprächspartner im Hinblick auf die bevorstehende Teilkommunalisierung des Landesjugendamtes. So ist beispielsweise nicht erkennbar, wie sich künftig die landesweite Fachaufsicht für die kommunale Kinder- und Jugendhilfe gestaltet. „Besondere die landesweiten Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen für die Fachkräfte der öffentlichen Jugendhilfe bekommen vor dem Hintergrund eines bedrohlichen Fachkräftemangels eine große Bedeutung und dürfen nicht den Verwaltungsreformen zum Opfer fallen“, so Carsten Spies.
Auch die Auswirkungen der Kreisgebietsreform auf die künftige Organisation der Kinder- und Jugendhilfe im Land sowie die damit verbundene Erreichbarkeit war Thema der gemeinsamen Beratung. Die Grüne-Spitzenkandidatin dazu: „Das bestehende Netzwerk muss im Rahmen der Kreisgebietsreform nicht nur erhalten, sondern auch ausgebaut, beziehungsweise gestärkt werden.“

