Gerechte Gesundheits- und Pflegepolitik
Mecklenburg-Vorpommern steht in der Gesundheitspolitik in den nächsten Jahren vor zahlreichen Herausforderungen. Vor allem durch den demografischen Wandel wird die Zahl älterer, chronisch kranker und mehrfach erkrankter PatientInnen ansteigen. Gleichzeitig nimmt die Bevölkerungsdichte in vielen ländlichen Regionen ab. Diese Entwicklungen erfordern nicht nur neue Formen der gesundheitlichen Versorgung, die den gerechten Zugang zu Gesundheitsleistungen für alle gewährleisten.
Prävention und Gesundheitsförderung in den Mittelpunkt
Armut ist nach wie vor das Gesundheitsrisiko Nummer Eins. Wirksame Maßnahmen zur Bekämpfung ungleicher Gesundheitschancen müssen daher vor allem hier ansetzen. Sie machen aus unserer Sicht klare Zielsetzungen, abgestimmte Maßnahmen und eine alle relevanten Politikfelder umfassende Strategie nötig. Wir BÜNDNISGRÜNEN wollen hierzu auch den Landesaktionsplan zur Gesundheitsförderung und Prävention weiterentwickeln und dabei einen selbstverantwortlichen und bewussten Umgang mit der eigenen Gesundheit unterstützen.
Wir wollen eine gründliche und vor allem regelmäßige Gesundheitsberichterstattung in Mecklenburg-Vorpommern etablieren. Sie ist eine Grundlage für klare Zielsetzungen, umfassende Strategien und abgestimmte Maßnahmen. Dabei müssen die Gesundheitssituation, der daraus resultierende Bedarf sowie die tatsächliche Versorgungssituation von Kindern und älteren Menschen umfassender als bislang ermittelt werden.
Prävention durch Gesundheitskonferenzen stärken
Strategien und verbindliche Zielsetzungen sind für uns nur eine Seite der Medaille. Ebenso wichtig für wirksame Prävention sind funktionierende Strukturen und eine ausreichende Ausstattung. Hier wollen wir vor allem das Land und – unter der Voraussetzung einer angemessenen Finanzausstattung – auch die Kommunen stärker in die Pflicht nehmen.
Zudem schlagen wir vor, die Landesgesundheitskonferenz aufzuwerten und im Gesetz über den öffentlichen Gesundheitsdienst festzuschreiben. Auch auf regionaler Ebene wollen wir Gesundheitskonferenzen einrichten. Dort sollen beispielsweise Selbsthilfe- und Gesundheitsinitiativen, Kostenträger, Leistungsträger, Kommunalverwaltungen und Wohlfahrtsverbände vertreten sein. Diese Konferenzen entwickeln regionale Gesundheitsziele, geben Empfehlungen und koordinieren deren Umsetzung. Sie sollen auch in die Planung der regionalen Versorgung einbezogen werden.
Neue Versorgungsformen fördern
Die Probleme des Gesundheitswesens in Mecklenburg-Vorpommern werden bislang vielfach allein auf das Schlagwort des ÄrztInnenmangels reduziert. Dabei ist künftig eine gesundheitliche Versorgung nötig, die über die rein medizinischen Aspekte hinausgeht.
Wir setzen auf neue, vernetzte Formen der gesundheitlichen Versorgung, bei denen dem Land und den Kommunen eine deutlich stärkere Bedeutung bei der Planung und Steuerung zufällt. Die Versorgungsplanung bei Krankenhäusern und niedergelassenen ÄrztInnen wollen wir zusammenführen und hierbei auch die wichtige Rolle der Pflege berücksichtigen. PatientInnen und Kommunen sollen in die Planung stärker einbezogen werden.
Regionale Gesundheitskonferenzen unterstützen die Versorgungsplanung, in dem sie auf die lokalen Bedürfnisse abgestimmte Empfehlungen geben.
Unser Ziel ist vor allem eine Stärkung der Primärversorgung, die neben den hausärztlichen Strukturen auch ambulante Pflegedienste umfassen muss. Krankenhäuser sollen stärker Verantwortung in der ambulanten fachärztlichen Versorgung übernehmen können. Wir wollen ein Programm des Landes zur Anschubförderung für neue den ambulanten und stationären Sektor umfassende Versorgungsformen auflegen.
Bedarfsgerechte Versorgung sicherstellen
Wir wollen die Allgemeinmedizin in der Ausbildung der ÄrztInnen stärken und sehen neben der ärztlichen Selbstverwaltung vor allem das Land in der finanziellen Verantwortung, die vorhandenen Lehrstühle für Allgemeinmedizin in Rostock und Greifswald zu erhalten und besser auszustatten. Auch die Pflegewissenschaft in Mecklenburg-Vorpommern muss so ausgestattet sein, dass sie den kommenden inhaltlichen und personellen Herausforderungen für die Pflege gerecht werden kann. Dazu gehört auch eine enge Vernetzung mit der MedizinerInnenausbildung.
Wir wollen auf der Grundlage positiver nationaler und internationaler Erfahrungen ein von Selbstverwaltung und Land gleichermaßen getragenes Stipendienprogramm für ÄrztInnen anschieben, die sich bereit erklären, für einen bestimmten Zeitraum als angestellte oder niedergelassene AllgemeinmedizinerInnen in unterversorgten Regionen tätig zu werden. Dem zunehmenden Mangel an Pflegefachkräften, muss mit geeigneten Programmen etwa zur Steigerung der Attraktivität des Pflegeberufs gerade bei Jungen und einer bedarfsgerechten Anzahl von entsprechenden Studien- und Ausbildungsplätzen begegnet werden.
Um eine gute gesundheitliche Versorgung sicherzustellen, kommt es auf das vernetzte Zusammenwirken der Kommunen, des Landes und insbesondere der unterschiedlichen Politikfelder an. Dazu gehören beispielsweise die Unterstützung bei der Niederlassung von ÄrztInnen oder Gemeindeschwestern, Räume für Sprechstunden in dünn besiedelten Regionen und eine gute Verkehrsanbindung von Praxen, Krankenhäusern und Versorgungszentren.
Wir streben eine bedarfsgerechte Krankenhauslandschaft an, der Erhalt kleinerer Krankenhäuser soll auch durch deren Umwandlung in Portalkliniken ermöglicht werden. Die Privatisierung der verbliebenen Krankenhäuser in kommunaler Trägerschaft lehnen wir ab.
